Zwei Wahrheiten?
Peking. Im nächsten Heft packen wir das heiße Eisen Olympische Spiele in China an. Wir wollen wissen, ob die Sponsoren befürchten, sich mit ihrem Engagement die Finger zu verbrennen – oder nicht. Dass wir dafür viel Ausdauer brauchen, war uns klar. Eben sagt auch Schenker ab, genauer SCHENKERglobalsportsevents. „Generell sind wir immer sehr an Interviews interessiert, können Sie jedoch in dieser Anfrage leider nicht unterstützen“. Auf die „nächste mögliche Zusammenarbeit“ freuen sie sich – eine ohne Hürdenlauf über Tibet.
Ich bleibe am Ball und betrete das Spielfeld IMEX. Groß ist er der Stand der Volksrepublik China. Ich drehe eine Runde um die Tische der Aussteller und taste mich heran – vorsichtig. Nach dem dritten Anlauf kommt es mir so vor, als ob nur ich die aktuelle Diskussion um die Sommerolympiade mitbekommen hätte. Immerhin lädt mich Kaifa Yu zu einem Gespräch ins Fremdenverkehrsamt der VR China ein. Dort berichtet der Direktor: „Die IMEX war viel besser als in den vergangenen Jahren. Die Kollegen hatten einen großen Erfolg und sind sehr zufrieden“. Schließlich wachsen Wirtschaft und Handel in und mit China.
Er hat bei den Planern ein großes Interesse an China registriert so wie viele Anfragen für die Zeit nach der Sommerolympiade. Yu: „Nach Tibet hat in Frankfurt niemand gefragt, aber die chinesischen Kollegen sind sehr empört gewesen über die negative Presse“. Die Schlagzeilen kurz vor den Spielen überraschen Yu nicht wirklich. Doch kann er ehrlich nicht verstehen: „Warum hat die westliche Presse die Gefühle von 1,3 Milliarden chinesischen Menschen verletzt?“ Voller Überzeugung und ziemlich überzeugend sagt er: „Wir kennen beide Seiten und wissen, was Tatsache ist und was Lüge.“
Ich weiß es nicht. Schließlich ist jeder von uns mit seiner Wahrheit groß geworden. Die einzige Möglichkeit sich eine Meinung zu bilden, liegt in der persönlichen Begegnung, im Gespräch und Gedankenaustausch. Kaifa Yu und ich haben einen ersten Schritt gemacht.
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