Home

EVVC-Präsident Joachim König

Goldesel gesucht: Wer zahlt die Zeche der Digitalen Dividende?

5. Januar 2010 21:12

Im Rahmen der so genannten Digitalen Dividende werden die Funkfrequenzen für unterschiedliche Nutzer neu vergeben, vorgeblich um die „Weißen Flecken“ in der Breitbandversorgung zu schließen. Auf der Hand liegt, dass daraus die finanzkräftigen Mobilfunkbetreiber als Gewinner hervorgehen werden, die jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine marktreife Technologien zur tatsächlichen Nutzung diese Frequenzen entwickelt hat!

Kaum vorstellbar, dass wir was die Tontechnik angeht, wieder in die Zeiten von Vico Torriani oder Peter Frankenfeld zurückfallen, wo der Umgang mit den Kabelmikrofonen schon fast Teil der Bühnenchoreographie war. Auch die moderne Dramaturgie von Parteitagen mit all ihren modernen technischen Verknüpfungen von Audio-, Video-, und Lichttechnik ist ohne Funkfrequenzen zurück in den Fünfzigern!

Bis zum heutigen Tag ist völlig unklar, welche störungsfreien Alternativfrequenzen für drahtlose Mikrofonanlagen zur Verfügung stehen werden. Sicher ist jedoch, dass die in unseren Häusern derzeit genutzte Drahtlostechnologie wertlos wird, da diese auf das Frequenzband von 790 bis 862 MHz ausgerichtet ist. Da die Umstellung, wie es von der Bundesnetzagentur heißt, bereits Mitte des Jahres 2010 erfolgen wird, ist das Chaos aufgrund des kurzen Zeitfensters vorprogrammiert. Wer weiß, ob die neu für die Veranstaltungsindustrie zugewiesenen Frequenzen gar eine Neuentwicklung des Equipments zur Folge haben wird?

Der EVVC fordert daher eine klare und eindeutige Umsetzung des Bundesratsbeschlusses vom 12. Juni 2009 über eine angemessene Kostenerstattung der Geschädigten. Hierzu gehört auch, dass sämtliche Anlagen, auch nach Erreichen der Abschreibungsfristen, voll erstattet werden, denn diese Anlagen wären bei der bekannten Kassenlage der Kommunen auch noch jahrelang im Einsatz geblieben. Wenn diese Kosten nicht voll erstattet werden, ist einmal wieder der Steuerzahler der Leidtragende. Ein Verzicht auf drahtlose Beschallungssysteme kann sich heutzutage kein Haus mehr leisten, das wettbewerbsfähig sein möchte. Somit werden diese Investitionen unausweichlich die kommunalen Kassen nachhaltig belasten. Außerdem ist auch einmal wieder eine Milchmädchenrechnung auf dem Tisch, denn natürlich müssten die Erlöse der Neuvergabe diesen Kosten voll gegenüberstellt werden.

Wir fordern daher auch die umgehende Mitteilung der für die Veranstaltungsindustrie zukünftigen verfügbaren Frequenzbereiche. Erst dann kann die Tonindustrie tätig werden, um neue Geräte zu entwickeln und zu kalkulieren. Diese wiederum sind die Basis für die Benennung von notwendigen Ersatzinvestitionen und damit einer belastbare und seriösen Grundlage für die Forderungen gegenüber dem Bund. Nur so – verbunden mit einem optimierten Zeitablauf – lassen sich erhebliche Störungen des Veranstaltungsgeschäftes und Kostenübertragungen auf die Kommunen vermeiden.

Kommentare: 0 | Was sagen Sie dazu? Was sagen Sie dazu?

Wünsch Dir was...

24. November 2009 13:50

Nun ist es schon wieder einige Tage her, dass die Bundestagswahl über die neue Bundesregierung entschieden hat. Der Koalitionsvertrag ist in der Zwischenzeit in trockenen Tüchern und lässt uns dennoch feuchte Augen bekommen. Denn was man hier liest, kommt einem am ehesten vor wie ein Wunschzettel für den Weihnachtsmann.


Alle hoffen auf den wirtschaftlichen Aufschwung und dass die Situation besser wird, doch keiner kennt die richtigen Stellschrauben. Im Grunde strotzt der Koalitionsvertrag voller Tatendrang – doch weiß keiner, wie die Aktionen finanziert werden können, so dass am Ende des Tages die Wunschvorstellung bleibt.


Und dennoch heißt es für unsere Branche, die bestehenden Kontakte in Berlin weiter zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Wir hoffen sehr auf das Verständnis von Wirtschaftsminister Brüderle für unsere Branche und auch Günter Oettinger in Brüssel könnte zukünftig ein interessanter Kontakt für uns werden. Unsere Branche muss den bisher eingeschlagenen Weg weiter gehen und ihr Bild als eigenständige Industrie stärken und noch weiter festigen. Das EVVC-Hauptstadtbüro ist hierfür ein verlässlicher und bewährter Partner.


Aber auch die Häuser vor Ort müssen weiter aktiv politische Arbeit betreiben, indem sie die Vertreter in den Kommunen, die MdBs in ihren Wahlkreisen direkt ansprechen und ebenfalls auf die Sorgen und Nöte der Branche und ihres Hauses aufmerksam machen. Nur wenn Lobbyarbeit auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig geschieht, kann sie Wirkung zeigen. Davon bin ich überzeugt. Der EVVC will seine Mitglieder bei dieser so wichtigen Arbeit unterstützen und bietet im kommenden Jahr Seminare zum Thema an. Darüber hinaus ist eine neue Broschüre in Arbeit, die wir auf der Jahreshauptversammlung vorstellen wollen: Das Druckwerk soll zum einen die wirtschaftlichen Faktoren der Branche als Ganzes aufzeigen, bietet aber auch die Möglichkeit für jedes Haus, seine individuelle Situation vor Ort positiv und sachgerecht darzustellen.


In diesem Zusammenhang möchte ich an dieser Stelle aber auch der Hoffnung Ausdruck geben, dass es uns in der nächsten Zeit noch mehr gelingen wird, dass die verschiedenen Verbände und Interessenvertretungen unserer Branche noch intensiver miteinander kommunizieren, zusammenwachsen und sich gemeinsame Strategien für die Veranstaltungswirtschaft überlegen. Denn nur so wird es uns möglich sein, bei dem vielfältigen Chor der unterschiedlichen Stimmen in Berlin, für die unterschiedlichen Branchen zumindest eine hörbare Melodie für die Veranstaltungswirtschaft zu spielen.

Kommentare: 0 | Was sagen Sie dazu? Was sagen Sie dazu?

Ist es notwendig, dass wir das Beamtentum pflegen?

13. Oktober 2009 20:30

Diese rhetorische Frage von Wolfgang Clement, Bundesminister a.D., verbunden mit der Forderung nach einem einheitlichen Tarifrecht in Deutschland erhielt Szenenapplaus auf der diesjährigen Management-Fachtagung in Essen und machte einmal mehr deutlich, dass das Thema nach wie vor präsent ist – auch in unserer Branche. Neben einer krassen Föderalismusreform und dem Abbau von Bürokratie forderte Clement außerdem eine Restrukturierung des Bildungssystems. „Wir müssen zu den besten gehören, wenn wir volkswirtschaftlich die Besten sein wollen.“ Mit anderen Worten: lebenslanges Lernen und Bildung rückt mehr und mehr in den Fokus auch unseres Tuns. Lernen und Bildung findet in unseren Häusern statt und wir müssen uns darauf einrichten – nicht nur hinsichtlich der Infrastruktur sondern auch was das Angebot von Inhalten anbelangt. Um auf dem Markt bestehen und aus der einheitlichen Masse herausragen zu können dürfen sich Veranstaltungshäuser meiner Ansicht nach diesen Aufgaben nicht länger verschließen. Früher haben die vermeintlichen Beamten in unseren Häusern gewartet, dass das Telefon klingelt, um Aufträge entgegen zu nehmen. Damals hat das gut funktioniert. Heute betreiben wir neudeutsch Sales und akquirieren aktiv. Das funktioniert im Moment ganz gut. Und in Zukunft? In Zukunft werden wir auch Inhalte und konkrete Lösungen für unsere Kunden anbieten müssen, was auch heißt, gewisse Risiken in Form von Eigenveranstaltungen einzugehen. Wir sollten uns wappnen…

Kommentare: 2 | Was sagen Sie dazu? Was sagen Sie dazu?

< Vorherige Seite | 1 | Nächste Seite >